Epicore Treatment

Ich blogge seit über vier Jahren und was mich schon immer gestört hat, war der Umstand, dass, egal wie viel Nächte man vor dem Rechner verbracht, egal wie lange man Bloglisten studiert und durchgeklickt hat, man am Ende immer nur einen Bruchteil dessen gesehen und gelesen hat, was vielleicht sehens- und lesenswert ist.

Ich blogge seit über vier Jahren und seit dem ersten Tag begleitet mich die Frage von Menschen, die sich mit Blogs nicht so gut auskennen, was das eigentlich bringt. Ich sage dann meistens, dass eine Mischung aus sozialem Netzwerk und, zumindest für mich, literarischer Entdeckungsreise ist. Dass man sich darin verlieren kann und das die Stunden der Suche oft von einem glücklichen Moment angelöst, in dem man eine wundervolle Geschichte findet, die das Lesen und weitergeben lohnt.

Ich blogge seit vier Jahren und seit dieser Zeit wird mir von allen Seiten immer gesagt, dass diese Bloggerei doch nichts mit Literatur zu tun hat, sondern dass Blogs nur eine Reihung sinnloser Buchstaben sind, die ab und an zufällig mal Sinn ergeben. Das richtige Literatur doch nur immer im großen, nicht aber im kleinen stattfinden kann. Eine Aussage, die mich schon immer geärgert hat.

Und genau darum geht es hier in diesem Blog.

Es geht um das Finden. Es geht um das Lesen. Es geht um das Glück, eine kleine oder große schöne Geschichte lesen zu können.

Hinter Epicore steht ein (noch) kleines Team aus Bloggern, die sich gedacht haben, dass man viel zu selten diese kleinen und großen Geschichten liest, dass diese Geschichten viel zu schnell im allgemeinen Blogwaldrauschen untergehen und ein einsames Dasein in der Bookmarksammlung fristen.

Epicore möchte diese Geschichten sammeln. Sie lebendig halten. Wir wollen Blogliteratur sammeln. Zeigen, dass es mehr zu lesen gibt, als den täglichen Einkaufszettel oder Links zu den neusten Programmen für PC oder Mac. Die Geschichten, die hier zu lesen sein werden, sollen anders sein, vielleicht das klassische literarische Konzept sprengen und den Lesern, die nicht in der Blogosphere zu Hause sind zeigen, dass sich hinter den Bildschirmen eine neue literarische Generation entwickelt. Eine, die nicht schreibt, weil sie heimlich hofft, das mal später eine Strasse nach ihnen benannt wird, die nicht das große Publikum sucht, sondern die schreibt, weil sie Spaß daran hat, weil sie etwas los werden will.

Dabei werden die Geschichten, die für diese Seite ausgewählt werden, nicht komplett hier zu lesen sein. Das wäre nicht nur aus rechtlichen Gründen schwierig, sondern auch aus zeitlichen. Denn für jede komplette Geschichte müsste man die Rechte erfragen, was nicht immer direkt möglich ist. Deswegen werden die Geschichten hier nur zu einem Teil zu lesen zu sein. Der Link “Weiterlesen” führt dann auf die Seite des Autors, auf der die ganze Story zu lesen ist. Das ist auch nur fair, denn dies soll eine Linksammlung sein, in der es nicht um die absoluten Klickzahlen geht, sondern um die Autorinnen und Autoren.

Neben der Suche, die das Epicore Team veranstaltet, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Geschichten einzureichen. Ob selbst geschrieben, oder gefunden, spielt dabei keine Rolle. Einfach an redaktion ät epicore de schreiben.

Don Dahlmann

Die Epicore Redaktion besteht aus

Lyssa - http://www.lyssas-lounge.de/peepshow
Herr Paulsen - http://antsinp.antville.org/
Felix Schwenzel - http://wirres.net/
Don Dahlmann - http://don.antville.org

39 Kommentare »

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  1. Eine Straße? Mir schwebt eigentlich eher der baldige Abriss des hiesigen Schillerdenkmals bei gleichzeitiger Errichtung einer überlebensgroßen Poodle-Statue vor. Schätze, damit bin ich disqualifiziert.

    Kommentar von poodle — 24.10.2005, 20:20 #

  2. Hey, herzlichen Glückwunsch und gutes Gelingen! Dann kann ich ja endlich meine elend lange Blogroll löschen und nur noch hier gucken. Was das an Zeit spart! Danke!

    Kommentar von isabo — 25.10.2005, 01:08 #

  3. Hiermit habt ihr mich als Leser gewonnen. Der Ansatz des “Geschichten sammeln” gefällt mir sehr gut. Bin schon gespannt, wie gut das alles umgesetzt wird, aber ich bin da sehr zuversichtlich.

    Wie dem auch sei: Einen guten Start wünsche ich!

    Kommentar von Khesrau — 25.10.2005, 01:12 #

  4. Ooohh das tönt absolut spannend, Glückwunsch und ganz viel Erfolg!

    Kommentar von Rinaa — 25.10.2005, 02:00 #

  5. Das klingt schön - ich bin gespannt!

    Kommentar von moolder — 25.10.2005, 08:44 #

  6. Guter Start, Don. Viel Erfolg Viel Spaß.

    Kommentar von Gunnar — 25.10.2005, 08:58 #

  7. Geniale Idee - auch ich bin schon sehr gespannt.

    Kommentar von maximus — 25.10.2005, 10:12 #

  8. So eine “zentrale Anlaufstelle” für gute Geschichten suche ich schon lange. Eine großartige Idee.

    Kommentar von Clavain — 25.10.2005, 10:16 #

  9. Meine Geschichten sind dafür zu kurz. Und zu leer. Und zu unliterarisch. Aber ich könnte es lesen.

    Kommentar von KleinesF — 25.10.2005, 10:42 #

  10. Prima Idee; bin gespannt auf die Umsetzung!

    Kommentar von King Fisher — 25.10.2005, 11:44 #

  11. erinnert mich ein wenig an das schon länger bestehende passagier,

    (wobei das entgegen den intentionen des passagier-gründers ginge, da es dort weniger um ein “bestof”-sammeln geht, sondern um bewusstes “aus dem zusammenhang”-reißen, aber oft wird da, glaub ich, doch einfach auf geschichten verwiesen, die jemand offensichtlich gut fand)

    im unterschied zu hier kann man da seine fundstücke gleich selbst posten, sofern man sich einen antville-namen zulegt. vorteil ist klar: keine “jury”, kann jeder selbst. vorteil hier ist vielleicht, dass die beteiligten dem mehr hinterher sind, und also öfter hier was auftaucht als dort (ich sagte: vielleicht!).

    bisschen arg finde ich, vielleicht bin ich da empfindlich, dass man das jetzt “literatur” schimpfen will, was mir, ein bisschen zu sehr nach legitimierungszwang oder ähnlich klingt, braucht es meiner meinung nach aber nicht.

    Kommentar von roland — 25.10.2005, 13:16 #

  12. Geile, einfache Idee. Freue mich auf eine unterhaltende Auswahl. Das Team sieht ja nach abwechslungsreicher Lektüre aus :)

    Dann sammelt mal schön und archiviert vorallem übersichtlich, so dass man auch nach langer Zeit noch die Pralinen wiederfindet.

    Kommentar von fishy_ — 25.10.2005, 14:02 #

  13. eeeks, sorry für das smiley.

    Kommentar von fishy_ — 25.10.2005, 14:03 #

  14. @roland
    ich finde das wort literatur ein gutes. deshalb schimpft es hier auch keiner. hinten sieht aus wie eine tür. fast. und die können vielem offen stehen.

    das mit dem passagier war auch meine erste reaktion, als man mich gefragt hat, ob ich hier mitmachen will. aber es ist eben genau so, wie du sagst. ein anders konzept.

    Kommentar von stattkatze — 25.10.2005, 14:25 #

  15. Peinlicherwieie kannte ich passagier noch nicht. Aber: This town is big enough for ther both of us, oder?

    So, jetzt mal gucken, wo man die Smilies abschaltet (Update: done).

    Kommentar von Johnny — 25.10.2005, 14:49 #

  16. kannst du vielleicht im gegenzug auch edits anschalten? so dyslexisch, wie ich derzeiz (sic!) tippe?

    Kommentar von stattkatze — 25.10.2005, 15:53 #

  17. Manueller Trackback - inclusive Fragen am Ende.

    http://www.blogbar.de/archiv/2005/10/25/mindestens-haltbares-epicore/

    Kommentar von Don Alphonso — 25.10.2005, 16:38 #

  18. eine wirklich schöne idee. ich bin gespannt wohin sich ihre auswahl entwickeln wird, die mitglieder der redaktion lassen hier einige sehr unterschiedliche spekulationen zu…

    Kommentar von fraufrank — 25.10.2005, 17:06 #

  19. Wichtigen Fragen, die Don Alphonso da aufwirft. Die Rechtslage ist eindeutig: Alles was über einen unbedeutenden Ausriss hinaus geht, bedarf der Genehmigung. Ich würde mir vorsichtshalber sogar das (schriftlich) genehmigen lassen.
    Und dann schließt sich natürlich die Frage an, warum man sich nicht gleich die Wiedergabe des ganzen Textes genehmigen lässt.
    Trotz allem! Gutes Gelingen. Der überwiegende Teil Eurer Fundstücke wird ja nicht vom Handelsblatt stammen

    Kommentar von Djure Meinen — 25.10.2005, 17:25 #

  20. das klingt in der tat sehr spannend und ich bin also gespannt, was einen da erwartet. vor allem mal etwas neben der so viel beschriebenen netzkultur.

    Kommentar von goron — 25.10.2005, 18:56 #

  21. Schöner Ansatz, ich freue mich auf die eine oder andere Blogperle. Ein wenig gestolpert bin ich allerdings über das WOrt “Literatur” und noch ein wenig mehr über die “neue literarische Generation”, und das weniger, weil ich bei jeder Erwähnung des Generationenbegriffs einen ziemlich schlimmen Ausschlag bekomme.

    Ich mag hier nicht die alte Debatte um einen qualitativen Literaturbegriff wiederkäuen, und natürlich ist nicht auszuschließen, dass der eine odere Blogeintrag seinen literarischen Wert haben mag. Selbst die gut geschriebenen Blogs leben m. E. nicht von ihren stilistischen Qualitäten, sondern von der Persönlichkeit, die sich in ihnen mitteilen. Dass dies auch entsprechend rezipiert wird, wird in der Tatsache offenbar, dass die Blogosphäre sehr empfindlich auf “Fälschungen” reagiert, und gefakte Blogs nicht als gelungene Kunstleistung, sondern als Betrug wahrnimmt. Der stilistische Aspekt eines Blogs steht in der Rezeption seiner Leser m. E. nicht besonders im Vordergrund, und die meisten guten Blogs sind nicht deswegen gut, weil ein bewusster - auch kompositorischer - Formwille hinter ihnen stünde, sondern weil sich in ihnen jemand mitteilt, der eben zufällig schreiben kann. Dass sich Verleger etc.für Blogs nicht besonders interessieren, halte ich vor diesem Hintergrund eigentlich für verhältnismäßig logisch: Ob sich der Efolg eines Blogs auf Papier übertragen lässt, erscheint auch mir ziemlich zweifelhaft. Auch die Leserschaft der “Qualitätsblogs” interessiert sich ja meist nicht für´s Fiktive, sondern ganz handfest für das Leben des betreffenden Bloggers. Frau Wortschnittchens (?) Worte “Blogs- die Yellow Press” der Privatleute, kommt m. E. der Sache wesentlich näher.

    Nichts für ungut - für eine Plattform guter, anrührender, spannender oder Geschichten wünsche ich alles Gute.

    Kommentar von Modeste — 25.10.2005, 18:57 #

  22. Danke für diesen Beitrag!

    Ich verstehe nicht, warum man Blogs als Literatur legitimieren muss, wenn sie als Erzählplattform auch ohne diesen Titel funktionieren. Deshalb finde ich es auch interessant, wie unterschiedlich epicore hier und auf “Irgendwas ist ja immer” präsentiert wird. Einmal als Sammlung interessanter Blogperlen, in Dons privater Erklärung mehr als Antwort auf die Missachtung von Blogs als Literaturform. Prinzipiell scheint epicore eine gute Idee, stimmt. Fraglich bleibt nur, als was von beidem sie funktionieren kann.

    Viele Blogs beginnen sehr vielversprechend und unterhaltsam, lassen dann aber oft nach einer Weile drastisch nach. Meist, wenn das der jeweiligen Person eigene Kontingent an Anekdoten und Geschichten erschöpft ist. An deren Stelle tritt dann vermehrt der Alltag, und dieser bietet nur selten bahnbrechendes Material. Der Blogger dokumentiert als Folge davon zunehmend seine aktuelle Lebens- bzw. Fühlweise und erzählt nur noch sporadisch richtige Geschichten. Insofern macht es schon Sinn, einen Filter für lesenswerte Einträge zu haben. epicore als Sammlung - tolle Sache.

    Die Kehrseite:
    Es scheint mir so, als ob Blogs in der Regel aus humoristischen, nachdenklichen oder sonstwie gearteten Alltagsbeobachtungen bestehen. Gedankenprotokolle des Lebens und der den Autor umgebenden Welt. Altäre der eigenen Schrulligkeit. Unterhaltsam, aber bis auf wenige auffällige Exemplare austauschbar. Blogs sind ein Medium der Masse, in Anzahl wie in Inhalt. Und deshalb greifen “Yellow Press” und “Tagebuch” als Etiketten besser, insbesondere unter dem Aspekt der “Echtheit”.
    Insofern sind Blogs nicht gleich Literatur. epicore als Fürsprecher von Blog - heikel.

    Was mir noch Magenschmerzen macht:
    Im Bestreben, die Leser von Woche zu Woche oder sogar Tag zu Tag bei der Stange zu halten, geben sich Blogger häufig nach und nach mit immer weniger zufrieden, weshalb Blogs wie der Kiosk und die Lounge mir - ehrlich gesagt - recht öde geworden sind. Witzig, diese Leute dann in der inoffiziellen “Jury” wiederzufinden. “Irgendwas ist ja immer” weiß als erfreuliche Ausnahme immer noch zu unterhalten, gerade weil weder lange Pausen wie im Paulsen oder repetitiver Alltagsbrei wie in der Lounge zu sehr den Inhalt prägen. Insofern hat sich da wenigstens der Richtige beschwert.

    Was aber die Verleger betrifft:
    Wenige Bloger bieten ausreichend verwendbares Material für eine sinnvolle, eigenständige Veröffentlichung. Wenn, dann müsste jemand erst den Brei aus tausend Postings filtern. Wer soll das tun? Kaum ein Verleger wird dafür die Zeit oder den Nerv haben, den “flow of consciousness” von ein schlimmstenfalls mehreren Jahren auszuwerten. Wenn Verleger DAMIT beginnen wollten, müssten sie auch alle unaufgefordert eingesendeten Manuskripte lesen, die tagtäglich auf dem Schreibtisch landen. Wer darauf hofft, ist entweder blauäugig oder krass unterinformiert.
    Zudem sind Blogger wie richtig angesprochen vielleicht mit dem Medium radikal, aber selten mit dem Inhalt. Es gibt soviel davon, und noch dazu umsonst, warum sollte ich als Verleger mit einem kostenpflichtigen Angebot auf den Markt brechen, wenn es einerseits genau solche Texte kostenlos online gibt?

    Wäre toll, wenn sich das Selbstverständnis der Blogger aus dem Wissen generieren würde, dass schreiben in jeder Form einen Wert haben kann, nicht jedes Leben aber ein Buch entspricht. Ich möchte gute Blogs nicht missen, und wünsch euch hierbei alles Gute, aber macht epicore aus Freude am lesen, nicht aus Geltungsdrang.

    Kommentar von Tom Maurer — 26.10.2005, 10:59 #

  23. Danke für die vielen guten Wünsche und auch die kritischen Einwürfe.

    Tom Maurer schreibt:
    Deshalb finde ich es auch interessant, wie unterschiedlich epicore hier und auf “Irgendwas ist ja immer” präsentiert wird. Einmal als Sammlung interessanter Blogperlen, in Dons privater Erklärung mehr als Antwort auf die Missachtung von Blogs als Literaturform.

    Es ist tatsächlich beides. Ich hab versucht diese Literaturgeschichte in meinem Blog etwas näher zu beleuchten, weil ich hier keine Diskussion über “Was ist Literatur” etc. aufziehen wollte. Ich glaube weiter daran, dass Literatur etwas organisches ist, also etwas, dass sich fortwährend selbstständig entwickelt. Blogs (nicht alle) können (nicht müssen) so eine neue Entwicklungsstufe sein. Dies heraus zu finden obliegt wohl eher den Literaturwissenschaftlern in 20 oder vielleicht 50 Jahren.

    Was man machen kann, ist zu schauen, ob und wenn ja, was sich da auf dem Blogmarkt tut. Ich halte zum Beispiel auch die Geschichten von Modeste für Literatur, gerade weil sie zusammen genommen ein Netz spinnen. Fügt man die Geschichten zusammen, setzt man sie in einem Buch in hübsche Kapitel, sieht die Sache anders aus, als eine reine Bloggeschichte.

    Und natürlich gibt es da einen Unterschied in der Wahrnehmung. Würde ich eine Sammlung von guten Blogstorys als Anthologie veröffentlichen, in der es keinen Hinweis auf Blogs gibt, würden die Texte vermutlich deutlich anders wahr- und aufgenommen werden. Das ist Spekulation, richtig, aber es auszuprobieren, reizt mich.

    Das Verleger bisher kaum den Mut haben, sich mit überhaupt mit dem Thema Blogs zu beschäftigen, ist vom geschäftlichen Standpunkt her, nach zu vollziehen. Die werden eh schon genug mit Manuskripten voll gepumpt die kein Mensch lesen kann, warum also auch noch Nachwuchssuche in einem völlig unübersichtlichen Medium betrieben. Aber ich meinte auch nicht Kiwi, Bertelsmann und dtv sondern eher die kleineren Verlage.

    Bzgl. Geltungsdrang: Wenn die Texte hier eingestellt werden, sind sie nicht mit dem Namen des Autors gekennzeichnet, der ihn ausgesucht hat.

    Kommentar von Don Dahlmann — 26.10.2005, 11:35 #

  24. Geltungsdrang war auch im Nachhinein betrachtet nicht die beste Wortwahl.

    Danke für die gelassene Stellungnahme.
    Bin gespannt, was hier dann so zu lesen sein wird.

    Kommentar von Tom Maurer — 26.10.2005, 11:45 #

  25. Mit der Anthologie, Don, magst Du recht haben, ich will gar nicht bestreiten, dass viele Blogs (auch Deins, auch das des anderen Don oder das geschätzte “Hermetisce Café”) immer einmal wieder Texte haben, die ihren literarischen Wert haben dürften; das entzieht sich letztlich auch meiner Beurteilungsreichweite. Dass ich Blogs generell für kein literarisches Medium halte, hat aber einen vorwiegend anderen Hintergrund:

    Die ganz überwiegende Anzahl der Blogger “bauen” die Geschichten nicht, die sie erzählen. Mit wenigen Ausnahmen wird sehr kunstlos und häufig linear draufloserzählt, und gerade das Ungekünstelte, Direkte hat ja seinen eigenen Reiz, der m. E. aber auf die Blogosphäre beschränkt ist. Auf Papier würde man die meisten - auch guten - Geschichten als stilistisch unbeholfen und bestenfalls trivial und eklektisch abtun.

    Die meisten Blogs erzählen die Alltagserlebnisse ihrer Urheber zudem so, als gebe es gar keine Literatur - das Selbstreferentiele der Gegenwartsliteratur fehlt meistens völlig, und dies beruht nicht auf einer bewussten stilistischen Entscheidung, sondern auf der Tatsache, dass eben kein Formwille, sondern der Wunsch, sich mitzuteilen, hinter dem Führe eines Blogs steht. Kunst, aber auch darüber mag man streiten, entsteht in aller Regel aber eben nicht einfach so, selbst der Verzicht auf die Referenz rekurriert auf eben diesen Untergrund des Geschriebenen. Es ist m. E. unmöglich, heute so zu tun, als gebe es das alles, was es gibt, nicht - man verfälscht die Welt, würde man dies tun. Da diese Kategorie aber für die Blogosphäre, die der Authentizität einen höheren Rang zuweist als der warhaftigen Abbildung der inneren oder äußere Welt, spielt dieser Aspekt so gut wie nie eine Rolle. Entsprechend werden vorhandene Zitate und Refrenzen ja auch kaum wahrgenommen.

    Dass es keine Blogkritik gibt, wie es eine Literaturkritik gibt, die sprachliche Ebene also meistens völlig außerhalb der Betrachtung durch die Leser verläuft, ist ein weiterer Grund, warum die meisten Blogs die Ebene der angenehmen Plauderei nicht verlassen. Der hauptsächliche Grund dafür dürfte in der engen Verknüpfung mit der persönlichen Bindung zwischen Blog und Leser liegen, die einen Kommentar, der etwa bemängelte, dass der Einstieg in den Text zu wenig variiert, die Abführung nicht stimmt, oder de Stilmittel zu durchsichtig sind, um zu überzeugen, offenbar fast unmöglich machen. Die meisten Bloger würde eine solche Kritik auch als kaltherzige Unverschämtheit berachten, denn ein stilistisch gelungenes Posting lag ja eben auch völlig jenseits ihres Interesses. - Dass bei dem Literaturbetrieb entlehnten Events we einer Lesung die Blogosphäre aus einer völlig anderen Motivation erscheint als dies generell bei Lesungen der Fall ist, dürfte uns allen gleichfalls klar sein. Der von mir ja das eine oder andere Mal beklagte Umstand, dass sich Komplimente nach einer Lesung nicht auf die Texte, sondern auf die Person beziehen, ist vor diesem Hintergrund nichts als die logische Folge.

    Kommentar von Modeste — 26.10.2005, 13:00 #

  26. Dann ist ja das Berliner Rat Pack wieder komplett an den Fäden.

    Kommentar von KleinesF — 26.10.2005, 16:10 #

  27. [...] Epicore sammelt Geschichten. Geschichten, die in Blogs vorkommen. Eine Antholgie des Lesens- und damit, so die Intention, des Sammelswerten. Indem man mittels und im Internet schreibt, verändert sich Sprache und Form, läßt sich eine Verdichtung und Verknappung beobachten, so die Initiator sinngemäß in seinem einleitendem Beitrag. Wird durch die Blogosphäre die Frage einer genuinen Netzliteratur erneut aufgeworfen? Don Alphonso findet für dieses Vorhaben den Ausdruck “Rosinenpicker”; er macht sich auch Sorgen darum, daß die Rechte der Autoren ins Hintertreffen geraten könnte und schwingt quasi die Googlekeule. Für mich selbst eine schöne Sache: man sehnt sich nach Geschichten. Menschen wollen etwas erzählt bekommen. Da Geschichten ursprünglich aus einer oralen Kultur stammen, würde es mir nichts ausmachen, wenn sie irgendwann wieder dahin zurückkehrten. Geschichten brauchen das Medium Buch nicht zwangläufig, was nicht heißen soll, daß das Klischee eines vor einem Kamin in ein Buch versunkenen Lesers, der gedankenverloren nach einem dampfenden Glas Punsch angelt, nicht unheimlich gut tut. Der Advent wird kommen. Trackback: http://blog.literaturwelt.de/archiv/epicore/trackback/ [...]

    Pingback von Literaturwelt. Das Blog. » Blog Archive » Epicore — 27.10.2005, 11:52 #

  28. gibts dieses blog schon nicht mehr oder wurde der start verschoben? (frage weil links entfernt)

    Kommentar von False — 27.10.2005, 17:29 #

  29. Frau Modeste, zumindest ein Blogkritikblog gibt es.

    Kommentar von Daibo — 27.10.2005, 17:30 #

  30. Grundsätzlich eine gute Idee! Welchen Zweck der Einzelne diesem Blog zuspricht wird sich erst zeigen und bleibt jedem selbst überlassen. Ich werde jedenfalls gerne immer wieder vorbei schauen.

    Wünsche viel Erfolg!

    Kommentar von wise.up — 27.10.2005, 17:34 #

  31. Johnny hat sich aus nachvollziehbaren privaten Gründen dazu entschlossen, aus dem Projekt auszusteigen. Aber es geht natürlich weiter. Zur Zeit ist es einfach zeitlich sehr eng, deswegen noch keine Texte auf der Seite. Da sind aber einige in Warteschleife.

    Kommentar von Don Dahlmann — 27.10.2005, 17:41 #

  32. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mein Weblog für Epicore berücksichtigen würden. Vielen Dank und Erfolg.

    Kommentar von Heiko Hebig — 27.10.2005, 18:13 #

  33. Kann man sein Blog hier nominieren?

    Kommentar von Sebas — 27.10.2005, 19:22 #

  34. Ich finde diese Idee von Epicore sehr gut und ich freue mich schon sehr darauf viele gute Geschichten von Blogs hier wiederzufinden und neu zu finden.

    Ein kleiner Beitrag bezüglich “Literatur” noch von mir: Ich finde, dass hier einige den Begriff Literatur viel zu eng sehen ohne eine nähere Erläuterung oder Definition abzugeben. Zu behaupten, Blogs seien von dem Begriff „Literatur“ ausgeschlossen, ist einfach nicht korrekt. Literatur wird nicht dadurch gut, indem sie von Kritikern kritisiert und von Verlegern akzeptiert wird, sondern Literatur wird dadurch zu dieser, wenn die Leser einen emotionalen oder fachlichen Wert in ihr wiederfinden. Das ist genauso bei Blogs möglich.

    Ein weiterer Punkt ist, dass Blogs oft eine Sammlung von unzusammenhängenden Gedankenzügen von Menschen sind (wie es in einigen Kommentaren geschrieben wird). Aber im Gegensatz zu vielen Büchern, schreiben die Leute bei Blogger meist ehrlichere Geschichten und Gedanken, weil der monetäre Aspekt fehlt und man weiters Anonymität genießen kann. Ich frage mich nur, ob manche (natürlich sehr viele nicht) Einträge nicht wertvoller sind, als viele Bücher, die nur geschrieben werden, weil der Verleger mal wieder ein Einkommen braucht und im Nachhinein das meiste sowieso geändert wird.

    Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass es nicht nur in Blogs vorkommt, dass der Inhalt und die Qualität der Einträge abnehmen, sondern dass das in der anerkannten Literatur ebenso vorkommt. Nehmen wir z.B. Paulo Coelho “Der Alchimist”, keines seiner weiteren Bücher fand jemals wieder soviel Anerkennung, wie dieses eine literarische Werk. Umberto Ecos Repertoire ist auch nicht voll von Bestsellern und viele Autoren, die zwar berühmt sind, schreiben auf einem eher niedrigeren Niveau – auch wenn sie gemütlich zu lesen sind.

    Wie gesagt, ich freue mich schon sehr auf die Einträge bzw. die Verweise zu den Einträgen hier und ich finde dies auch eine gute Möglichkeit neue Blogs oder Blogs, die man noch nicht kennt, durch die Zusammenschau in Epicore kennenzulernen und zu finden.

    Kommentar von FoX Words — 27.10.2005, 20:04 #

  35. Dieses Blog gehört also nicht mehr zur Spreeblick Verlags…?

    Kommentar von False — 27.10.2005, 21:22 #

  36. Niemand hat bestritten, dass unter Blogs Ausnahmen existieren, die literarische Qualitäten aufweisen. Natürlich liegt es im Bereich des Möglichen - für einzelne Blogs - einen entsprechenden Status zu erreichen. Aber genauso wie die Literatur ihrem und unserem Anspruch nicht mehr gerecht werden könnte, wenn plötzlich JEDES Manuskript gedruckt und auf den Markt geschüttet würde, genauso verwässert die aktuelle Masse an Blogs das Gesamtbild des Mediums. Ich kann unter 20 angesurften Blogs meist bestensfalls 4 von Interesse entdecken, und wenn sich eines davon in den Favoriten hält, dann ist es eine Menge. Aber wie könnten sie auch? Ich erwarte ja auch nicht von einer Band, pro Monat einen Hit zu produzieren. Weil niemand am Fließband begeistern kann. Ich erwarte, dass sie von 3 Ideen nur die Beste ausarbeiten, während viele Blogger einfach JEDEN GEDANKEN darniederschreiben. Man sieht den Einträgen sogar an, dass die oft nichtmal überlesen wurden.

    Jeder hat seinen Alltag. Jeder seine Geschichten. Jeder lernt Menschen kennen und verlieren. Das ist - mal ganz ehrlich - nichts besonderes. Blogs sind - wir wiederholen - wortgewandte Dokumentationen. Da fehlt mir persönlich die Kreativität, der schaffende Geist, das Erfinden und Gestalten von Personen und Ereignissen. Klar, gibt auch viele Bücher die gleich Blogs nur von Erlebtem schreiben. Aber wenn wir nur noch über unser Leben schreiben, ist das eben der Tod der Literatur, so wie ich sie sehe. Dann sterben die wichtigsten Rassen aus.

    Die Masse killt die Qualität. Das meint die Anzahl an Blogs. Das meint den Inhalt von Blogs. DESHALB macht Epicore Sinn.

    Mal ein anderer Gedanke:
    Wahrscheinlich krieg ich jetzt nen Knieschuss, weil der Vergleich ein wenig hinkt, aber ich sehe das jetzt, übermüdet, faul verallgemeinernd, wie einen Vergleich zwischen Telenovelas und Kinofilmen. Bei beiden sind die Beispiele für Qualität eher gering angesichts der Menge an schlechten und oberflächlichen Produktionen. Aber obwohl Telenovelas genauso Geschichten erzählen, finden sich dort allerorten eben jene Krankheiten, unter denen auch viele Blogs leiden: Zu linerarer, einfach strukturierter Inhalt oder Stil mit Gefühlen, zu denen man als Zuschauer zwar leicht Bezug bekommt, die aber stets ein wenig oberflächlich sind. Auch bei Filmen gibt es wenige, die was taugen. Aber ist es wirklich nur das “Recht des Älteren”, welches dem Film als Medium den wirklichen “Erzählcharakter” zugesteht? Warum ein Kinofilm defacto ernster genommen wird? Oder ist da etwas mehr dabei?

    Kommentar von Tom Maurer — 29.10.2005, 01:38 #

  37. [...] Vielen Dank und Erfolg Ich wrde mich sehr freuen, wenn Sie mein Weblog fr Epicore bercksichtigen wrden. Vielen Dank und Erfolg. Comment by Heiko Hebig 27.10.2005 #A hahahahahahahaha. Hahahahahaha. Haaahaaahaaahaaahaaa. Hahahahaha. 30.10.2005 05:03 · PB 0 · TB 0 · Kommentar? 0 Suchmaschinenoptimierung [...]

    Pingback von JC-Log - live aus Kln — 30.10.2005, 06:06 #

  38. [...] kurz, in eigener sache: epicore ist ja nicht mehr teil des spreeblick-verlages (siehe erklärung von don) und deshalb heute auf einen anderen server umgezogen. falls es also schluckauf, schwierigkeiten beim kommentieren oder mailen gibt: das legt sich wieder. weiter mit musik. 31.10.2005, 18:27 | In Anfang | [...]

    Pingback von epicore » epicore ist umgezogen — 31.10.2005, 18:28 #

  39. Auf der Suche nach Netzliteratur

    Es geht um das Finden. Es geht um das Lesen. Es geht um das Glück, eine kleine oder große schöne Geschichte lesen zu können.

    Trackback von Kritische Ausgabe — 05.11.2005, 01:50 #

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