epicore ist umgezogen

kurz, in eigener sache: epicore ist ja nicht mehr teil des spreeblick-verlages (siehe erklärung von don) und deshalb heute auf einen anderen server umgezogen. falls es also schluckauf, schwierigkeiten beim kommentieren oder mailen gibt: das legt sich wieder. weiter mit musik.

Sebastian und Eva

Von Joschua
Sebastian und Eva. Sebastian liebte Eva, im Gedanken. Eva liebte Sebastian, obwohl es sie gar nicht gab.
Sebastian lernte Eva vor einige Monaten kennen. Berlin, spät abends, ein Hinterhofkino, der Besitzer lief in Sandalen herum, servierte Bier an den Sitzplatz. Er ging alleine ins Kino, „Der alte Affe Angst“ hieß der Film. Ich denke, dass Eva vor ihm saß, sicher bin ich mir jedoch nicht mehr. Als der Film vorüber war, hob er jedenfalls ihre Jacke auf, die auf den Boden gefallen war, teils aus Höflichkeit, teils um das Ende des Films zu vergessen. Er war von ihrem Lächeln angetan, von ihrem sanften „Danke“.
Hier trennten sich die Wege, jedoch nur für Eva. Sebastian war von diesem Moment an mit Eva zusammen, ein Paar.
Sie gingen in eine Cocktail-Bar, die Sebastian kannte. Eva war beeindruckt von der Karte, jede Seite hatte als Überschrift ein alkoholisches Getränk. Darunter dann alle Cocktails, die dieses Getränk als Zutat hatten. Whisky stand da, Gin, sogar Jägermeister. Er erzählte ihr viel, von der Arbeit, von seinen Eltern, sogar von seiner fetten Katze, die eine Woche zuvor wieder Flöhe hatte. Sie war angetan, das merkte er. Die Nacht verbrachten sie getrennt, es war Evas Wunsch. Sebastian konnte es nachvollziehen, wie er immer alles nachvollziehen konnte was Eva sagte und tat. Das war das tolle an ihr, das gab ihm Sicherheit.
Weiterlesen

mulmige gefühle

Von Schwadroneuse

die erste verabredung war morgens um 9 uhr 15 beim schanzenbäcker, u-bahnhof feldstrasse, in der raucherecke. er rauchte camel ohne, ich garnicht.
ich hatte ihn am abend zuvor in einer singlebörse aufgegabelt. er hatte mir ein foto geschickt auf dem er wie ein schwerverbrecher aussah, das hatte mich überzeugt. als er nun so vor mir stand sah er immer noch aus wie ein schwerverbrecher. ein gepflegter zwar, schüchtern und mit guten manieren, aber ein schwerverbrecher. sein gesicht war wie aus altpapier, grau und faltig, und ein bindegewebe um die augen, man mochte kaum hinsehen, weils jeden moment ganz abzufallen drohte. ich sah stattdessen auf seine lippen. wie sie mich verhalten anlächelten, und wie hinter den exakt gezeichneten lippen eine reihe schneeweisser zähne hervorblitzten. ich war zu allem bereit.

Weiterlesen…

Walross und Gorilla

Von Don Dahlmann
Barmenschen sind selber die besten Kunden. Sowohl in der eigenen Bar, wie auch in fremden. Es geziemt sich nach der anstrengenden Schicht gemeinsam zwei bis acht Bier zu trinken und gegebenenfalls weiter zu ziehen. Die Angestellten dieses Pubs waren ein wilder Haufen, eine irisch-kölsche Mischung plus einem Quotenengländer und einem Berliner. Auf jeden Fall alle trinkfest und selten hatte einer was besseres zu tun, als nach getaner Arbeit weiter zu ziehen.
Dafür bot sich zumeist die „Schweizer Tenne“ an, ein von außen völlig schwarz verkleidete Kneipe mit Butzenglasscheiben und einer schweren Holztür. Der reine Zufall ließ uns den Laden entdecken, als wir auf der schnellen Suche nach mehr Bier halblaute ABBA Musik aus dem Laden vernahmen, und Kirstin, eine ebenso dünne wie trinkfeste Irin mit dem Satz „This sounds great, come on boys“ die Kneipe stürmte.
Weiterlesen

Von einem Freund

Von Mek Wito
Obwohl er nun schon zehn Jahre tot ist, habe ich ihn eigentlich noch nie begraben, meinen Freund, den ich eigentlich nie als einen Freund angesehen hatte, wobei die anderen Leute um uns herum immer sagten wir seien beste Freunde, weil, wasweissich, wir beide vielleicht immer so viel tranken, oder wenigstens so taten als sei das die einzige Erfüllung in unserem Leben, dieses andauernde Betrunkensein, dieses stets sich wiederholende “lass uns was zum Trinken besorgen”, am Nachmittag, auf Reisen, bei nächtlichem Rumsitzen in den dunklen und ausgestorbenen Gassen in Bozen, bei Häuserräumungen, und zuhause bei Freunden, immer dieser Pegel der uns die ganzen Jahre begleitete, um alles um uns herum erträglicher zu machen, weil der Wein wie eine Geräuschkulisse wirkte, wie in einem Cafe, weil man sich auch da viel besser unterhält, wenn um einen herum die Welt dieses entfernte blabla von sich gibt und man dadurch in den eigenen Gesprächen schaukelt wie in einer Wiege. Nicht, dass wir viel miteinander sprachen, dafür waren wir viel zu kurzatmig, ständig musste was geschehen, immer dieses Gefühl man würde was verpassen, etwas verpassen das eh nie da war und wenn es einmal da war, das Glück, auf einer grossen Feier, in einer wunderbaren Runde Menschen, dann war man immer noch nicht glücklich genug, weil “lass uns was zum trinken besorgen”, die Geräuschkulisse erhöhen, denn ganz nah dran am Glück war man erst wenn der Leib dann nicht mehr mitspielte, der Film unterbrochen und man am nächsten Tag in einer Bierlache erwachte. Da war man nah dran am Glück und die ganzen Bekanntschaften die man kennengelallt hatte, womöglich geknutscht, oder sonstwie die ganze Freude abgelassen hatte, blieben übrig wie dicke Nebel, von denen nur hängenblieb was man noch aufbewahren wollte für die schönen Gedanken die man mitnimmt, auf der Suche nach diesem Glück.
Weiterlesen …

Epicore Treatment

Ich blogge seit über vier Jahren und was mich schon immer gestört hat, war der Umstand, dass, egal wie viel Nächte man vor dem Rechner verbracht, egal wie lange man Bloglisten studiert und durchgeklickt hat, man am Ende immer nur einen Bruchteil dessen gesehen und gelesen hat, was vielleicht sehens- und lesenswert ist.

Ich blogge seit über vier Jahren und seit dem ersten Tag begleitet mich die Frage von Menschen, die sich mit Blogs nicht so gut auskennen, was das eigentlich bringt. Ich sage dann meistens, dass eine Mischung aus sozialem Netzwerk und, zumindest für mich, literarischer Entdeckungsreise ist. Dass man sich darin verlieren kann und das die Stunden der Suche oft von einem glücklichen Moment angelöst, in dem man eine wundervolle Geschichte findet, die das Lesen und weitergeben lohnt.

Ich blogge seit vier Jahren und seit dieser Zeit wird mir von allen Seiten immer gesagt, dass diese Bloggerei doch nichts mit Literatur zu tun hat, sondern dass Blogs nur eine Reihung sinnloser Buchstaben sind, die ab und an zufällig mal Sinn ergeben. Das richtige Literatur doch nur immer im großen, nicht aber im kleinen stattfinden kann. Eine Aussage, die mich schon immer geärgert hat.

Und genau darum geht es hier in diesem Blog.

Es geht um das Finden. Es geht um das Lesen. Es geht um das Glück, eine kleine oder große schöne Geschichte lesen zu können.

Hinter Epicore steht ein (noch) kleines Team aus Bloggern, die sich gedacht haben, dass man viel zu selten diese kleinen und großen Geschichten liest, dass diese Geschichten viel zu schnell im allgemeinen Blogwaldrauschen untergehen und ein einsames Dasein in der Bookmarksammlung fristen.

Epicore möchte diese Geschichten sammeln. Sie lebendig halten. Wir wollen Blogliteratur sammeln. Zeigen, dass es mehr zu lesen gibt, als den täglichen Einkaufszettel oder Links zu den neusten Programmen für PC oder Mac. Die Geschichten, die hier zu lesen sein werden, sollen anders sein, vielleicht das klassische literarische Konzept sprengen und den Lesern, die nicht in der Blogosphere zu Hause sind zeigen, dass sich hinter den Bildschirmen eine neue literarische Generation entwickelt. Eine, die nicht schreibt, weil sie heimlich hofft, das mal später eine Strasse nach ihnen benannt wird, die nicht das große Publikum sucht, sondern die schreibt, weil sie Spaß daran hat, weil sie etwas los werden will.

Dabei werden die Geschichten, die für diese Seite ausgewählt werden, nicht komplett hier zu lesen sein. Das wäre nicht nur aus rechtlichen Gründen schwierig, sondern auch aus zeitlichen. Denn für jede komplette Geschichte müsste man die Rechte erfragen, was nicht immer direkt möglich ist. Deswegen werden die Geschichten hier nur zu einem Teil zu lesen zu sein. Der Link „Weiterlesen“ führt dann auf die Seite des Autors, auf der die ganze Story zu lesen ist. Das ist auch nur fair, denn dies soll eine Linksammlung sein, in der es nicht um die absoluten Klickzahlen geht, sondern um die Autorinnen und Autoren.

Neben der Suche, die das Epicore Team veranstaltet, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Geschichten einzureichen. Ob selbst geschrieben, oder gefunden, spielt dabei keine Rolle. Einfach an redaktion ät epicore de schreiben.

Don Dahlmann

Die Epicore Redaktion besteht aus

Lyssa – http://www.lyssas-lounge.de/peepshow
Herr Paulsen – http://antsinp.antville.org/
Felix Schwenzel – http://wirres.net/
Don Dahlmann – http://don.antville.org











Angetrieben von Eitelkeit, Mitteilungsbedürfnis und WordPress. Das exquisite, minimalistische Aussehen wurde mit Hilfe des „Hiperminimalist Theme“ von Borja Fernandez erreicht. Einträge und Kommentare können abonniert werden. Bisher wurden Besucher gezählt.