Sonntage sind nur saisonal scheisse.

Von Martina Kink
Wir sind uns einig, Sonntage sind schwierig, ab ungefähr 15.00 Uhr kaum zu ertragen, die Welt steht still und alle wollen immerzu nur spazierengehen oder Kaffee trinken. Was bei all dem Gejammer aber immer vergessen oder vielleicht auch verschwiegen wird: Sonntage sind nur saisonal doof. Wintersonntage zum Beispiel sind total in Ordnung, wenn nicht gerade Weihnachten ist, ansonsten kann man Skifahren oder gleich im Bett bleiben, sagt auch keiner was. Sommersonntage sind noch viel okayer, es lässt sich prima den ganzen Tag draussen rumlungern und die halbe Nacht dazu, oder muss wirklich noch jemand heim, Hausaufgaben machen? Im Hochsommer ist der Hysterie ausserdem schon ein bisschen die Luft ausgegangen, und es kommen nicht mehr 10 Münchner mit Kleinkind auf einen Zentimeter Biergartenbank. Sogar mit Sonntagen im Spätherbst lässt es sich auskommen, man weicht den ‚wer jetzt allein ist‘ Gedanken einfach elegant aus und konzentriert sich stattdessen darauf, dass man immerhin ein Haus hat, oder wenigstens eine überteuerte Mietwohnung, wo man es sich ‚kuschlig‘ machen kann. Kuschlig bedeutet vor allem viel Tee trinken, so höre ich. Mag man keinen Tee kann man auch ohne lesen, denn zum Lesen ist der November da. Herbst- und Frühjahrswochenenden verbringt man allerdings am schönsten damit, Freunde in anderen Städten zu besuchen. Wenn man nicht so recht weiss, wohin mit sich selbst, dann hilft es ungemein, nicht bei sich selbst zu bleiben. Doch, so einfach sind die Dinge wirklich manchmal. Weg sein ist die allerbeste Methode mal ganz nah bei sich zu sein, aber wann kriegt man schon mal seinen Hintern hoch. Immer schreibe ich ‚man‘ wenn ich ‚ich‘ meine.

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