„Wolle Sie e Biä habe?“

Ich saß in Frankfurt (Stadtteil Enkheim) neben Karl Liesegang, 82, Schreinermeister in Rente, auf dem Sofa, in seiner engagiert und eigenhändig aus heterogenen Teilen zusammengehämmerten Wohnung, bei grob geschätzten 31° Celsius Innentemperatur. Mir gegenüber zum einen ein aggressiv bollernder Ölofen, welcher für genannte Temperatur verantwortlich, daneben tief in ein Fauteuil gesunken, Karl Liesegangs Gattin, sicherlich auch jenseits der 75, eine unablässig lächelnde, nickende und schnaufende, außer einem gelegentlichen „Och joh“ zu keiner weiteren Artikulation fähige Person. Da saß ich und wusste nicht, ob das angebotene Bier annehmen oder ablehnen. Denn es war erst 16 Uhr. Es hätte ja eine Prüfung sein können, das mit dem Bier. Und es ging um ziemlich viel.

Es war ein klarer Februarsamstag vor ziemlich genau zehn Jahren, verzweifelt war ich ein hässliches Frankfurter Industriegebiet entlang gestapft, in welchem die Straßen Wattstraße, Voltastraße, Nobelstraße oder Bessemerstraße heißen. Das hier war meine letzte Chance. Ich brauchte eine Wohnung. Mal wieder hatte ich alles verbummelt, verschusselt, auf den letzten Tag rausgezögert, nun war der Tag gekommen, ich musste HEUTE einen Mietvertrag unterschreiben, am Folgetag umziehen und am Montag mein Studium beginnen. Alle anderen Angebote, die der Anzeigenteil der Frankfurter Rundschau hergegeben hatte, waren zu teuer, zu weit weg von meiner Bildungsstätte oder schlicht und ergreifend nur über eine Warteliste zu haben.

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Ein Abend im Juli

Ich haue mir noch einen Löffel in die Nase und lege The Jam auf und trete feste aufs Gas.
Das Aggregat hinter mir Brüllt auf und ich fliege nach Hause.
Zuhause angekommen geht es mir noch nicht besser, ich gehe in meine Wohnung doch irgendwie ist sie seltsam leer.
Ich fühle mich zum ersten Mal seit Jahren nicht wohl dass ich hier alleine bin.
Alles stimmt nicht mehr. Ich gehe zum Anrufbeantworter als ich höre das Bea spricht breche ich die Aufnahme ab.
Das brauch ich jetzt nicht auch noch. Ich muss jetzt erstmal dafür sorgen dass Steffi wieder zurück zu uns kommt. Wie soll der Planet denn wieder Stabilität bekommen wenn sie jetzt auch noch die Schwalbe macht und mit so Arschlöchern rumhängt.
Stilloses, saufendes, Pack.
Ich nehme zwei Downer und komme langsam wieder zur Ruhe. Dann schaffe ich es tatsächlich zwei Stunden zu schlafen.
Als ich wieder aufwache geht es schon etwas besser.
Es ist jetzt 22 Uhr. Ich gehe ins Bad, mein Anrufbeantworter blinkt aber ich reagiere nicht, ich will Beas Stimme nicht hören, sie bringt hier auch nur alles aus den Gleichgewicht.
Aber es lockt doch. Nein, ich werde nicht drangehen.
Das kann ich im Moment gar nicht gebrauchen. Ich merke wie ich schon wieder etwas nervös werde und dringend einen Beschleuniger brauche um auf jeden Fall gewappnet, reaktionsfähig, und schnell zu sein, wenn es was passieren sollte, und dass wird es heute Nacht, ich spüre die Luft vibrieren.
Ich lege Peter auf, “the jinx“ dröhnt aus den Lautsprechern, zur Freude meiner Nachbarn während ich mich anziehe um meine Wohnung zu verlassen.
Der Bass und die Gitarre, sie schwingen noch in meinem Hirn während ich zum Wagen gehe.
Die Wichser haben es doch tatsächlich geschafft das Steffi nicht mehr mit uns sein möchte.
Wir waren doch ein gutes Team, zwei sind mittlerweile gegangen und können nicht mehr zurückkommen. Das muss doch reichen, das ist doch schon schlimm genug. Ihnen zu ehren werde ich nun die Upstarts hören während ich mir mit dem Porsche meinen Weg in die Stadt bahne.
Zuerst in die Cocktailbar, hier nehme ich zwei Gin Tonic, und das obwohl Gin Tonic mich in höheren Dosen aggressiv macht.
Vielleicht muss ich es respektieren, denke ich beim Trinken. Eigentlich habe ich sie nicht wirklich geliebt, oder doch, oder nur auf meine spezielle Art.
War sie nur ein Zeitvertreib?
Wie ist das ehrlich zu sich selber zu sein?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht hat Frank ja Recht und sie war nur ein Spielzeug, ein Zeitvertreib, mehr nicht.
Leben ist ja bekanntlich Veränderung, so sagt man ja, also verändern wir uns auch.
Vier Gin Tonics später entscheide ich mich ins Rock zu fahren

Anmerkung des Autors:
Es war vor ca. 2 Jahren als ich nachmittags in einem Café eine Frau traf, welche mir bekannt vorkam, die ich aber nicht einordnen konnte. Sie grüßte mich, wir kamen ins Gespräch, sie erzählte mir fast ihr ganzes Leben, und ich konnte dabei nicht eine Parallele zu meinem feststellen. Trotzdem kannte ich sie und sie kannte mich. Zum Abschied sagte sie das es schön sei zu sehen was aus mir geworden sei und das es sie gefreut hätte mich wieder zu sehen.
Zuhause versuchte ich mich zu erinnern, und irgendwann viel mir ein wer sie gewesen sein musste. Sie war eine der Frauen gewesen welche ich damals in einer, für mich heute nicht so nicht mehr vorstellbaren, Egophase zu meinem Vergnügen „benutzt“ hatte. Warum hasste sie mich nicht?
Ich begann nun zu rekonstruieren und die Geschehnisse seit diesen Abend zusammen zu tragen, aufzuschreiben und in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Diese Erzählung ist ein Auszug daraus. Der Windhund heute, hat eigentlich nichts mehr mit dem Windhund in der Erzählung zu tun sie ist nur ein Teil einer Entwicklung. Ich bitte sie deshalb als Wertfrei zu betrachten.

Achtung, der Text ist sehr lang. Weitere Anmerkungen in den Kommentaren.

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