schlafen

Von suna

ein samstag zum ausschlafen, dachte ich. ein samstag zum nachholen jener stunden an schlaf, die ich die woche zuvor verschenkt hatte, mir geschenkt hatte, weil in den tag hinein leben nicht ging und aus dem tag hinaus leben in die nacht hinein leben bedeuten musste. einmal die nacht verlebt, bis es wieder hell wurde und licht der tag sich ankündigte mit rosa und grau auf dem himmel hinter den häusern und als streifen auf der wand auf der haut, aufzeigend, dass der vorhang nicht schloss (nie schließt) bei offenem fenster. ein anderes mal hinein in die nacht bis weit nach mitternacht, bis der arm wiederholt in gefühlslosigkeit versank, als das gespräch nie verebbte, das telefon am ohr, so hab ich mit a einen teil der letzten nacht in seiner wohnung verbracht, eine – wie er es nannte – Ära zu ende gebracht, mit einem telefongespräch über die vergangenen drei jahre, über das kennenlernen und besser kennenlernen seiner selbst und der anderen, die man trifft, wenn sie schon wer sind, schon wer geworden sind in den jahren davor und man all das mit geschenkt bekommt und nur annehmen kann und mitnehmen kann und mit neuem und gemeinsamen ergänzen kann. ein gespräch also über das glück, mein glück, unser aufeinandertreffen in einer bar in hongkong, in die mich die hohen schwarzen stiefel getragen haben, sagte a, die stiefel, bei deren wahl sämtliches personal und publikum und champagne des kenneth cole stores auf dem broadway involviert gewesen war, weil das die interkontinentalen jahre gewesen waren, die nur monate gewesen waren, die in der erinnerung jedoch schwerer als manche anderen jahre wiegen, weil sie bereicherten und veränderten und ermöglichten, mich herauszunehmen aus allem und zu ordnen und abgestandenes abzugießen und von diesem niveau aus neu was anzufangen mit mir.

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BUT SEE HOW DEEP THE BULLET LIES oder I KNOW IT´S OVER WHEN I KNOW IT´S OVER, DO I?

Von Glamourdick

Der Begriff „sich auf etwas gefasst machen“: Selbst wenn die Sprachmitteilungen mit „Darling“ und „Sweetheart“ beginnen ist das noch kein Zeichen für eine Sache, die sich vom Guten zum Besseren entwickeln könnte. Schließlich ist er auf den blauen Seiten noch mit dem Tag „suche Date“ unterwegs, das gibt zu denken, da kündigt sich die Kündigung schon an, bevor es mit dem Anfang so richtig angefangen hat. Trotzdem erscheint er strahlend zum Dinner, genießt, erzählt, hört zu, die Themen überschlagen sich.

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Der Leicafritze

Von merlix

Auf dem Weg zu einer literarischen Veranstaltung lief ich noch ein wenig durch den mir eher unbekannten Hamburger Stadtteil Hasselbrook. Ich hatte eine gerade erworbene Kamera um den Hals und sah mich nach Motiven um, als mich ein älterer Mann ansprach. Ich habe bisher immer gedacht, daß man in Hamburg nur von Fremden angesprochen wird, wenn man einen Hund (”Süß!”) dabeihat, der nicht gerade irgendwo hinmacht, oder auch ein Kleinkind (”Süß!”), das nicht gerade schreit. Seit kurzer Zeit weiß ich, daß man auch angesprochen wird, wenn man eine Kamera dabei hat, die ein wenig so aussieht, als wäre sie ein Profigerät (was sie allerdings in Wahrheit durchaus nicht ist). Seltsam oft kommen Fremde auf mich zu und fragen nach den technischen Daten der Kamera oder nach der aktuellen Motivwahl, nach dem Preis und nach Markenvergleichen. Ich kann die Fragen nicht beantworten, da ich mir solche Daten nie merke, abgesehen vom Preis, aber man kommt doch ins Gespräch. Die Stadt ist anscheinend voller Hobbyphotographen mit Austauschbedürfnis. Alleinstehende sollten sich eine möglichst große Kamera kaufen und suchend gucken. Der Rest ergibt sich, nehme ich an.

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Pflegen (Die Zeit, die bleibt)

Von moni

Letztes Jahr erlebte ich eine Zeit mit, die einer jungen Frau noch blieb. Diese Frau war wie ich 33 Jahre alt und mit mir in eine Jahrgangsstufe des Gymnasiums gegangen. Sie hatte in Tübingen studiert und in Chile. Zur Promotion war sie nach Cambridge gegangen, sie war fast fertig, als sie die Diagnose bekam, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist.

Wir hatten nach dem Abitur sporadisch Kontakt zueinander gehalten, wussten, wo die andere sich gerade jeweils befindet und was sie studiert und arbeitet. Wir verstanden uns gut, tauschten mal zwischen Montpellier und Chile und mal zwischen Chicago und Cambridge schöne Emails aus. Trotzdem waren wir nie wirklich eng befreundet in dem Sinn, dass wir uns gegenseitig besucht hätten. Wir sahen uns höchstens, wenn wir beide unsere Eltern gleichzeitig besuchten. Trotzdem waren die Emails, die wir uns schrieben, alles andere als oberflächlich. Zu einer anderen Freundschaft fehlte uns vielleicht einfach die Grundlage, denn zu Schulzeiten hatten wir beide sehr unterschiedliche Strategien gewählt, in dem rauen Klima unseres Jahrgangs zu überleben.

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Samstag Nacht, kein Fieber

Von Martina Kink

Es ist Samstag und München und 22:10 Uhr und ich bin gerade heimgekommen. Da stimmt natürlich was nicht. Ich komme nicht drauf, was da nicht stimmt, werfe die Tasche in die Ecke, die Schuhe von mir, das seltsame Gefühl mit einem Kopfschütteln hinterher. Dann geh ich ins Bad, um mir die Farbe aus dem Gesicht zu waschen. Dabei fällt mir ein, was da nicht stimmt. Die nächsten zwei Minuten starre ich einigermassen fassungslos in den Spiegel. Zurück blickt einigermassen gelangweilt eine Frau über 30 und fragt sich, warum mir das erst jetzt klar wird. Die weiss das offensichtlich schon länger, vielleicht sieht sie deshalb immer so müde aus. Es ist nämlich so: Früher begann ich ungefähr um diese Zeit, mir die Farbe ins Gesicht zu malen. Viel Farbe. Als ich die Samstagnacht noch ernst bzw. mitnahm, stand eine 8 oder eine 9 davor, keine

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14 (rückblickend ist es ein wenig beängstigend)

Von Fragmente

Ich bin vierzehn, es ist Sommer. Die Schulferien sind gerade vorbei. Ich komme in die 9. Klasse. Ich mag meine Schule nicht. Ich habe Probleme mit dem Mathelehrer, dem Lateinlehrer und der Französischlehrerin. Susanne, Verena, Brigitte und ich bilden eine Notgemeinschaft. Wir hängen miteinander rum, und wenn es hart auf hart kommt, dann lassen sie mich hängen. Ich kenne das schon aus der 6. oder 7. Klasse, als mich ein Junge öfter mal in der Pause verprügelt hat. Alle haben es gesehen, keiner hat mir geholfen. Ich bin 14, es ist Sommer, ich denke nicht mehr daran, daß ich mal ein Underdog gewesen bin, ich bin froh genug, jetzt nur noch ein Außenseiter zu sein, und viele Jahre später, wenn ich doppelt so alt sein werde, werde ich mich an die Prügel und das Wegsehen erinnern und denken, daß es keine bessere Schule hätte geben können. Fürs Leben.

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ein verregneter Sommer

Von Mek Wito

Es plätscherte draussen schon seit vielen Tagen als ich plötzlich und unangekündigt meinen Unmut verlor, in jener Nacht in der alles so schnell gegangen war, nachdem ich mich zweimal zu tief in ihre verregneten Augen verguckt hatte und ich schon weinselig dahinnieselte, noch der festen Überzeugung ich liesse das mit der Liebe jetzt mal sein und widme mich den richtigen Dingen, für ein standfestes Bein, die Lacher auf meiner Seite und ein anständiges Rückgrat auf meinem Arsch, stattdessen verschob ich mein Wunschdenken auf Weihnachten zweitausendirgendwas als ich sie auf ihren roten Lippen küsste.

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Charmante Kompagnie

Von minka

Tanja hat nun einen neuen Freund.
Gestern Abend hat sie ihn mir vorgestellt.
Kurt, ein lieber, lieber, lieber Kerl, sagt sie.
Das ist er auch. Er hilft ihr in den Mantel und zündet jede Zigarette an.
Er umschlingt sie beim Tanzen von hinten und faltet seine Hände über ihrem Bauch.
Er steht auch an der Bar gern hinter ihr, kuschelt sein Gesicht an ihre Wange und tuschelt zärtlich in ihr Ohr.
Er hält ihr jede Tür auf.
Er wärmt reibend ihre kalten Hände in den seinen.
Er streicht ihr beim Reden mit der Hand über den Rücken.
Ich frage mich, wie das für mich wäre, wenn mir ein Mann den Rücken streichelt während er redet.
Der Gedanke lässt mich schaudern, aber ich komme nicht dahinter, warum.

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die unsichtbare frau

Frau Frank

feucht schimmerte die hilflosigkeit noch auf ihrem gesicht, als wir uns in der rabenschwarzen nacht im abschied wiegten. eine umarmung, die ausdruck einer tiefen freundschaften sein könnte.
doch als ich mich umdrehte, meine schritte richtung heimat lenkte, da blieb die wohlige verbundenheit, die euphorie handgreiflich beschworner freundschaftsschwüre aus. zu hause konnte ich mich kaum noch an das gespräch erinnern, so seltsam fern schien mir das wesen dieser frau.

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Sommer Sprossen

von Herrn Paulsen

„Frauen haben in der Küche nichts verloren“, sagte der Souschef.
„Die nerven nur, sind ständig beleidigt, können keine schweren Töpfe tragen und sind mindestens einmal im Monat für eine Woche schlecht gelaunt“, wusste der Poissonnier.
„Taugen höchstens zum Pralinendrehen, die Weiber“, seufzte der Rotisseur.
„Frauen sind eine Bereicherung für jede Küche, sie fördern den freundlichen Umgang miteinander, sorgen für Ausgeglichenheit, Esprit und sprachliche Umgangsformen jenseits des Neandertals“, erklärte Monsieur der Testosteron-Talkrunde und stellte Carol ein.
„Um als Frau in diesem Beruf bestehen zu können, muss man ein Drache sein. Ich bin ein Drache“, sagte Carol, schüttelte mir die Hand und warf ihren Messerkoffer auf den Posten.

Carol war winzig.
Sie schien in ihrer gestärkten Kochuniform zu versinken. Konturlos, wie eine Schildkröte im viel zu großen Panzer. Ihre Schürze berührte den Boden, beim Gehen waren nur die Rundungen ihrer kleinen, blauen Kinderschuhe zu sehen. Ihre hohe, flirrende Sirenenstimme krähte kurze Befehle aus dem weißen Jackenhügelchen.

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