Leise Menschen

sie war fünf, ich sechs. jeden morgen um halb acht klingelte sie bei uns und holte mich zur schule ab. vier jahre lang. unsere mütter hatten sich abgesprochen und wir hatten uns damit abgefunden. in der schule sassen wir nicht nebeneinander. sie buhlte stattdessen um die gunst der bürgermeisterstochter britta, ein dickes mädchen mit lackschuhen, das schon in der ersten klasse mit dauerwelle antrat. ich verachtete britta und noch mehr verachtete ich die, die sich um dieses reiche kind bemühten. um uns bemühte sich keiner. wir waren nicht beliebt. ich hatte angst vor den meisten mitschülern. in der vierten klasse blickte die musiklehrerin meine mutter beim elternsprechtag nur erstaunt an, als die den namen ihrer tochter nannte. kannte sie nicht.
wir wurden verspottet. ich wegen meiner komischen nase, sie wegen ihrer hautfarbe. sie war das einzige farbige kind an der schule.

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3 Kommentare

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  1. Frau Schwadroneuse mit einer kleinen, aber sehr schönen Geschichte über Freundschaft und noch etwas anderem, nicht so schönen. Ich mag ihre Art zu schreiben, wenn sie so leise wird und man aufpassen muss, dass man auch ja kein Wort verliert.

    Kommentar von Don Dahlmann — 25.11.2005, 16:40 #

  2. normalerweise lese ich solche geschichten nicht, zu wenig zeit, zu lang, zu unwichtig. hier hat mich der erste satz gefesselt, solche geschichten sind einfach immer …

    Kommentar von False — 25.11.2005, 23:07 #

  3. Die war fein, ja, und auch nicht länger als angemessen.

    Kommentar von Tom Maurer — 30.11.2005, 03:19 #

Kommentare? Hier nicht.