Sommer Sprossen
„Frauen haben in der Küche nichts verloren“, sagte der Souschef.
„Die nerven nur, sind ständig beleidigt, können keine schweren Töpfe tragen und sind mindestens einmal im Monat für eine Woche schlecht gelaunt“, wusste der Poissonnier.
„Taugen höchstens zum Pralinendrehen, die Weiber“, seufzte der Rotisseur.
„Frauen sind eine Bereicherung für jede Küche, sie fördern den freundlichen Umgang miteinander, sorgen für Ausgeglichenheit, Esprit und sprachliche Umgangsformen jenseits des Neandertals“, erklärte Monsieur der Testosteron-Talkrunde und stellte Carol ein.
„Um als Frau in diesem Beruf bestehen zu können, muss man ein Drache sein. Ich bin ein Drache“, sagte Carol, schüttelte mir die Hand und warf ihren Messerkoffer auf den Posten.
Carol war winzig.
Sie schien in ihrer gestärkten Kochuniform zu versinken. Konturlos, wie eine Schildkröte im viel zu großen Panzer. Ihre Schürze berührte den Boden, beim Gehen waren nur die Rundungen ihrer kleinen, blauen Kinderschuhe zu sehen. Ihre hohe, flirrende Sirenenstimme krähte kurze Befehle aus dem weißen Jackenhügelchen.
4 Kommentare
RSS-Feed für die Kommentare auf dieser Seite.
Kommentare? Hier nicht.

Der Herr Paulsen ist ein ganz wilder. Nicht nur, dass er zusammen mit seinen Kollegen Sven eine erfolgreiche Lesebühne in Hamburg gegründet hat, nein, der Mann kann auch noch gut kochen und toll schreiben. Alle Damen müssen jetzt leider leise seufzen: Herr Paulsen ist vergeben.
Diese Geschichte ist eine der wunderschönen, lustigen und gleichzeitig traurigen Geschichten aus dem Hause Paulsen, die man in seinem Blog finden kann.
Kommentar von Don Dahlmann — 02.01.2006, 16:26 #
Wär fein, wenn der Link auch auf den Rest der Geschichte verweisen würde, nicht nur auf sein Blog, da scrollt man sich nämlich blöde…
Kommentar von Tom Maurer — 02.01.2006, 19:06 #
Sorry. Fehler behoben.
Kommentar von Don Dahlmann — 02.01.2006, 19:10 #
Ah. Sehr fein. Schöne Geschichte.
Kommentar von Tom Maurer — 03.01.2006, 12:45 #