die unsichtbare frau
feucht schimmerte die hilflosigkeit noch auf ihrem gesicht, als wir uns in der rabenschwarzen nacht im abschied wiegten. eine umarmung, die ausdruck einer tiefen freundschaften sein könnte.
doch als ich mich umdrehte, meine schritte richtung heimat lenkte, da blieb die wohlige verbundenheit, die euphorie handgreiflich beschworner freundschaftsschwüre aus. zu hause konnte ich mich kaum noch an das gespräch erinnern, so seltsam fern schien mir das wesen dieser frau.
09.01.2006, 19:58 | Von Don Dahlmann in Anfang | 8 Kommentare
8 Kommentare
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Kommentare? Hier nicht.

Die Geschichte gelesen hatte ich wohl, aber ich gebe das gerne zu, erst gestern, als Frau Frank genau diese Geschichte auf der Neujahrslesung vortrug, hat sie mich richtig verzaubert. Ich mag die kleinen Beschreibungen, die sich ganz langsam und ohne aufdringlich zu werden, zu einem Bild zusammen fügen.
Kommentar von Don Dahlmann — 09.01.2006, 20:00 #
oh, schön, das hatte ich gesucht, seit sonntag. :-)
Kommentar von engl — 11.01.2006, 18:58 #
Ja, die mochte ich sehr. Einen Ausdruck zu finden für ein Unbehagen, für etwas fast Schwebendes, das eigentlich zu leise ist, um wirklich so etwas lautes wie Worte auszuhalten.
Kommentar von Modeste — 18.01.2006, 12:15 #
hilflosigkeit „schimmert“? „feucht“ gar? „handgreiflich beschworne[r] freundschaftsschwüre“? Also bitte – nichts gegen gewagte Bilder, aber sowas ist schlicht Blödsinn.
Kommentar von SUB — 18.01.2006, 14:24 #
Was daran schlichter Blödsinn sein soll entgeht mir hierbei ein wenig. Wenn ich mir vorstelle wie diese junge Frau in ihrer Zerbrechlichkeit vor mir steht, dann ist es doch genau das feuchte Schimmern das ihre Hilflosigkeit unterstreicht, weil Feuchtes schimmert ohne Zweifel, und auf dem Gesicht sind es vielleicht – Tränen.
Ähnliches gilt für „handgreiflich beschworne Freundschaftsschwüre“. Diese körperliche Überschwänglichkeit beim Ausdrücken der Gefühle, meinetwegen im Suff, diese Umarmungen, diese ungeschickten Formen des einander Nichtmehrlosslassenwollens, wenn man die Worte nicht mehr findet.
Sehr klare und schöne Bilder, wie ich finde.
Kommentar von mek — 18.01.2006, 23:46 #
methaphern sind immer eine heikle sache. ich erinnere mich da an eine diskussion über ‚lackierte Eiswürfel‘, die auf ganz anderer ebene ausgetragen wurde und dennoch ziemlich engleiste. ( das letzte literarische quartett unter beteiligung von sigrid löffler.) also was solls. gewagt ist nicht daneben. und ‚blödsinn‘ ist schlicht kein kriterium.
Kommentar von engl — 19.01.2006, 18:36 #
„feucht schimmerte die hilflosigkeit noch auf ihrem gesicht“ – das finde ich sehr zart, leicht beschrieben, dann aber
„in der rabenschwarzen nacht im abschied wiegten“ – das finde ich zu überschwänglich, sehr barock/präziös – wodurch der zarte gedanke, sofort wieder erdrückt wird. meiner meinung nach hätte es hier leichter zu gehen müssen, so dass der ersten zeile mehr raum gelassen wird.
Kommentar von max — 27.01.2006, 11:18 #
prEziös, natürlich. *räusper*
Kommentar von max — 27.01.2006, 11:19 #