Pflegen (Die Zeit, die bleibt)
Letztes Jahr erlebte ich eine Zeit mit, die einer jungen Frau noch blieb. Diese Frau war wie ich 33 Jahre alt und mit mir in eine Jahrgangsstufe des Gymnasiums gegangen. Sie hatte in Tübingen studiert und in Chile. Zur Promotion war sie nach Cambridge gegangen, sie war fast fertig, als sie die Diagnose bekam, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist.
Wir hatten nach dem Abitur sporadisch Kontakt zueinander gehalten, wussten, wo die andere sich gerade jeweils befindet und was sie studiert und arbeitet. Wir verstanden uns gut, tauschten mal zwischen Montpellier und Chile und mal zwischen Chicago und Cambridge schöne Emails aus. Trotzdem waren wir nie wirklich eng befreundet in dem Sinn, dass wir uns gegenseitig besucht hätten. Wir sahen uns höchstens, wenn wir beide unsere Eltern gleichzeitig besuchten. Trotzdem waren die Emails, die wir uns schrieben, alles andere als oberflächlich. Zu einer anderen Freundschaft fehlte uns vielleicht einfach die Grundlage, denn zu Schulzeiten hatten wir beide sehr unterschiedliche Strategien gewählt, in dem rauen Klima unseres Jahrgangs zu überleben.
1 Kommentar
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eine geschichte die von sterben handelt, aber eigentlich übers leben geht. schön finde ich bei moni immerwieder, dass sie äusserst emotional schreibt, aber ihre philantropie ganz ohne pathos auskommt. so trocken dringt die spitze besser und tiefer in den leser ein.
[via anke gröner]
Kommentar von ix — 13.05.2006, 22:04 #