Sebastian und Eva

Von Joschua 🏛️
Sebastian und Eva. Sebastian liebte Eva, im Gedanken. Eva liebte Sebastian, obwohl es sie gar nicht gab.
Sebastian lernte Eva vor einige Monaten kennen. Berlin, spät abends, ein Hinterhofkino, der Besitzer lief in Sandalen herum, servierte Bier an den Sitzplatz. Er ging alleine ins Kino, „Der alte Affe Angst“ hieß der Film. Ich denke, dass Eva vor ihm saß, sicher bin ich mir jedoch nicht mehr. Als der Film vorüber war, hob er jedenfalls ihre Jacke auf, die auf den Boden gefallen war, teils aus Höflichkeit, teils um das Ende des Films zu vergessen. Er war von ihrem Lächeln angetan, von ihrem sanften „Danke“.
Hier trennten sich die Wege, jedoch nur für Eva. Sebastian war von diesem Moment an mit Eva zusammen, ein Paar.
Sie gingen in eine Cocktail-Bar, die Sebastian kannte. Eva war beeindruckt von der Karte, jede Seite hatte als Überschrift ein alkoholisches Getränk. Darunter dann alle Cocktails, die dieses Getränk als Zutat hatten. Whisky stand da, Gin, sogar Jägermeister. Er erzählte ihr viel, von der Arbeit, von seinen Eltern, sogar von seiner fetten Katze, die eine Woche zuvor wieder Flöhe hatte. Sie war angetan, das merkte er. Die Nacht verbrachten sie getrennt, es war Evas Wunsch. Sebastian konnte es nachvollziehen, wie er immer alles nachvollziehen konnte was Eva sagte und tat. Das war das tolle an ihr, das gab ihm Sicherheit.
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3 Kommentare

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  1. joschuas geschichten graben sich fast immer tief ins gedächnis ein. manche landen beim lesen am steissbein und kribbeln dort leise. wäre ich ein idiot würde ich die geschichten als „morbide“ bezeichnen. vielleicht bin ich ein idiot.

    für vertiefende lektüre empfehle ich ausserdem noch folgende farts: die VWL-studentin
    der grosse betrüger
    regensburg
    die ganze lernerei
    mit dem rettungswagen im waldstück
    seit samstag riecht es
    kinderreanimation

    Kommentar von Ix — 29.10.2005, 22:15 #

  2. Große Geschichte, tolles Blog ! Und Epicore wirkt bereits, ich hätte brainfarts wahrscheinlich nie gefunden.

    Kommentar von Herr Paulsen — 30.10.2005, 10:24 #

  3. Wirklich eine tolle Geschichte. Mir ist vor allem dieser Satz hier aufgefallen:

    „Heute bin ich mir sicher, dass er einige Tage gebraucht hat, bevor die Wahnarbeit, die er aufbringen musste, um sie sich vorzustellen, seine Kraft überstieg.“

    Schön, wie das passive Seine-Kraft-Übersteigen hier aktiv formuliert wird.

    Kommentar von Dr. Bierkrug — 30.10.2005, 18:36 #

Kommentare? Hier nicht.